Dass ich mit Navy (meinem zwei Jahre jüngeren Bruder) zusammen hier in London ein Haus gekauft habe, hat nicht nur finanzielle Erwägungen, aber auch eine entscheidende Konsequenz: Ich entprivatisiere mein Leben.
Gerade in einer Welt, in der alles zur Privatisierung freigegeben ist, mag meine Entscheidung anachronistisch vorkommen, erst recht die Tatsache, dass ich damit noch weitergehe dadurch, dass ich auf mein eigenes Schlafzimmer verzichte. Hat finanzielle Gründe, da wir Zimmer vermieten müssen, um das Haus zu finanzieren. Zum anderen habe ich aber keine Lust mehr, mein Privatraum auf Kosten des Gesamtraumes in Anspruch zu nehmen, sprich: Ich will nicht auf ein Arbeitszimmer und ein Wohnzimmer verzichten, nur damit ich eine eigene Bude habe, in der ich im Wesentlichen schlafe. Mit Navy und auch Nuch ein Zimmer zu teilen bedeutet zwar ein Verlust meiner Privatsphäre, das gleiche habe ich den beiden abverlangt.
Es ist ein Rückkehr in das gemeinschaftliche Wohnen, eine Absage an die Individualisierung und damit an die Vereinsamung.
In London aber auch vielerorts in den unzähligen WG's lebt man mehr oder weniger in seinem Schlafzimmer. Die geteilte Küche, Bad und Wohnzimmer sind semi-öffentliche Lebensräume, die umso öffentlicher werden, je weniger man seine MitbewohnerIn kennt.
Wie auch immer, ich sehe es nicht ein, warum ich mich in meinem eigenen Haus freiwillig einpferchen muss. Ich will die Räume nutzen, die vorhanden sind, mich aufhalten können, wo und wann ich will, auch wenn ich meine private Isolation dafür aufgeben muss. Ergo: mein Haus anstatt mein Zimmer.
Man muss sich gegenwärtigen, dass in vielen Teilen der Welt Familien in einem Raum leben, ohne eigene Zimmer. Da muss man lernen zu teilen und miteinander umzugehen. Das ist in den westlichen Kulturen so sehr verloren gegangen. Es ist zeit umzukehren.
Es ist ja nicht so, dass ich gegen die persönliche Sphäre propagiere. Sie muss sich aber nicht in Räume ausdrücken. Persönliche Räume können mobil sein, ja selbst das Internet kann ein persönlicher Raum darstellen.
Die Frage die sich dann stellt ist, was denn unter "persönlich" zu verstehen sei. Aber das ein anderes Mal.
20 July 2006
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