17 October 2006

Phad Thai und seine Folgen

Manchmal entscheidet ein Essen über ein ganzes Schicksal. Und unser Schicksal ist nun durch Phad Thai bestimmt.
Die Entscheidung
an einem unschuldigen Nachmittag in einem kleinen neu entdeckten Thai-Restaurant über einem Pub um die Ecke Phad Thai zu essen, hat jegliche Ruhe aus unserem bis dato ruhigen Dasein verbannt.
Dieses kleine ach so unschuldige Nudelgericht mit Sojasprossen, Schweinefleisch, Schrimps und gehackten Erdnüssen hat 16 Buller Road in eine Herberge und uns in Business Consultants gemacht. Denn durch diesen Restaurantbesuch hatten wir den vermeintlichen Besitzer Nupp kennengelernt (ich habe bereits davon berichtet). Da dieser Nupp jedoch ein absoluter Waschlappen ist, dominierte Nuch immer mehr in den Entscheidungen. Aber da war auch noch der Sponsor-Onkel.... Kurzum wir schickten Nupp zurück nach Thailand, um seine Hausaufgaben für eine Neueröffnung zu machen, seine Schwester als Interim-Managerin herüberzuschicken, Prospekte drucken zu lassen und um Nuch's Busenfreund Bang zu kontaktieren, damit dieser ein Visum gesponsort bekommt, um hier in der Küche auszuhelfen. Ich sah mich schon nach dem Feierabend schon Bestellungen über das Telefon aufnehmen...
Alles platzte mit der Nachricht, dass Nupps Onkel in den Ruhestand versetzt wurde. Kein Geld mehr da, um das zu finanzieren. Nupp schob seinen Plan, zurückzukommen für eine unbestimmte Zeit auf, angeblich hat er ein Managerposten in Hua Hin angenommen. Erreichbar war er ohnehin kaum noch. Scheinbar hat er jegliche Interesse an seinem eigenen Restaurant verloren.
Nun saßen wir da mit einem Restaurant, welches uns nicht gehört, und seine Schwester würde nur noch herüberkommen, um diesen Laden zu verkaufen oder weiterzuvermieten. Und mit Nok fiel endlich die Kanonenkugel, auf dem Mühlhausen gesessen hatte.
Wahrheit nummer eins: Nupp war gar nicht der Besitzer des Restaurants. Er hatte den Laden nie gekauft. Er war lediglich dazu 'angestellt' worden, ihn zu managen. Der wahre Besitzer ist (noch) der ominöse Onkel, der gar nicht sein Onkel ist. Dieser Khun Yupp hatte lediglich eine Anzeige aufgegeben, auf dem Nupp halt reagierte. Und Nok ist auch nicht seine Schwester. Die beiden htten sich bis kurz vor Noks Abflug noch nicht mal richtig getroffen. Aber Nok war seit langem eine Bekannte von Khun Yupp. Nupp hatte also ein ganzes Geflecht von Lügen gesponnen. Ein Wunder, dass er sich nicht daran verstrickt.
Nun heißt es, den Laden schnellstmöglich weiterzuvermieten, um nicht weiter Miesen einzufahren. Nok nahm Telefonanrufe entgegen und vereinbarte Besichtigungstermine. Einen Sri Lankaner (??? gibt es sowas?) habe ich schon rumgeführt. Dann hatten wir noch eine ganze Sippe aus Leeds.
Alles hing an uns. Telefonanrufe, Führung... Während Khun Yupp von nichts eine blasse Ahnung hatte. Den Schuppen hat er über das Internet gekauft, genauer gesagt, über panthip.com, einem Tummelplatz von Thais im Internet. Der Verkäufer war ein Student. Offentsichtlich ist es eine neue Methode der Studienfinanzierung.
Nun gab es noch einen anderen Interessenten aus Thailand, ein Manager namens Rungroj. Ich musste noch abends raus, um Ihn vom Flughafen abzuholen. Ich stand mit dem Namensschild da wie die ganzen Taxifahrer, die irgendwelche Fremden zum Hotel chauffieren müssen. Wen ich da abholte, war ein Thaksin-Verschnitt mit schmalen Augen und offensichtlich nachgefärbten Haaren. Ich war ganz froh, dass wir den Deal an die Familie aus Leeds vergeben haben, denn dieser Herr erscheint mir etwas undurchsichtig. Ich weiß nicht, wie das kommen konnte, aber in der Tube wechselte das Gesprächsthema auf den vergangenen Coup. Mit einer von mir nicht gerechneten Offenheit fing Mr. Rungroj an ein Plädoyer für den Squareface zu halten. Ich war sicher nicht in der guten Position, heftig gegen ihn zu debattieren, so nickte ich nichtsdeutend und lief innerlich ein.
Nun haben wir eine Woche lang einen Gast aus Thailand zu unterhalten...
Fazit: Eine Mahlzeit bescherte uns zwei Untermieter, verlangt uns etwas Verhandlungsgeschick (schließlich mussten wir immer beim Pubbesitzer, von dem die Räumlichkeiten gemietet wurde, mitunter mit Diplomatie beibringen, dass die Mieten nicht immer pünktlich aus Thailand kamen), einen Fremden Besucher und einen ziemlich Thai-gefärbten Alltag (ich habe zu Hause schon fast einen Monat keine Pasta mehr gegessen)!
Genauer betrachtet wären wir diesem Laden jedoch früher oder später über dem Weg gelaufen, daher ist das nicht unbedingt ein Flügelschlag des Schmetterlings, welches das Schicksal um 180° dreht...

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