01 September 2006

Plastiktüten


Großbritannien ist das Land der Plastiktüten. Briten werden in Plastiktüten geboren und darin auch wieder beerdigt.Ob zur Schule, zur Arbeit, auf Reisen, alles wird in Tüten transportiert. Natürlich neue. Großbritannien produziert mehr Plastiktüten als australische Kaninchen sich vermehren können. Würde man alle existierenden britischen Tüten miteinander verknoten, könnte man wohl locker eine Bahn bis zum Jupiter spannen. Und wenn die Tüten mal gebraucht sind schwirren Sie in der Gegend herum. In einer Straße schwirren wohl mehr herrenlose Plastiktüten herum als Fliegen.

Allmählich scheinen sich die Briten zu besinnen, dass es mit der Tüterei wohl nicht unendlich gehen kann und versuchen, dem entgegenzusteuern. Wer aber nun die gute alte Jutetsche erwartet, der hat sich aber gründlich getäuscht! Wahrscheinlich hat man mich mit meinem Füllhorn-beutel angeschaut als käme ich vom Pluto (welches ja jetzt nicht mehr zu den Planeten gehört, aber das ist ein anderes Thema). Körbe sind ebenfalls Phantasiewesen. Da Müllvermeidung so nicht Sache der Briten ist (da haben sie ja auch kein Wort für), wollen sie nun wenigstens recyclen. Oh moment, Ausnahme wäre Marks&Spencer, die ordentliche Tragetschen verkaufen. Ansonsten hat Co-op die Recycling-Welle angestoßen sowie die Poly-ethylen-Tüte eingeführt (was in Deutschland schon längst Gebe ist). Bei Lidl muss man wie in Deutschland auch für jede Tüte zahlen (wirkt), Sainsbury's will's auch machen. Doch was Tesco macht, schießt den Vogel ab - ist aber nur 'ne Taube. Für jede wiederverwendete Tüte bescheinigt sie dem Kunden, der über eine Clubcard verfügt (etwa 10%), einen extra Treuepunkt. Mit tausend Punkten bekommt man eine Dose Bier umsonst. Da hat Tesco den Kunden einen mordsmäßigen Motivationsschub verpasst. Wie eh und je sieht man Tesco-Kunden mit diesen weißen, sich nicht mehr abbauenden weißen Ungeheuern herumwatscheln. Seien wir mal ehrlich: Wer will schon an der Kasse dem/der Kassierer(in) eine knitterige angeblichene Tüte vor die Nase halten? Diese haben zwar coole Kampagnen-TShirts an, können diese aber offensichtlich nicht lesen, denn sie greifen weiter munter zum PVC, aber nicht zu knapp, denn Socken kommen mit Jacket Potato nicht in die (gemeinsame) Tüte. Unterbricht man sie mit "I don't need a bag", reagieren sie verstört, als hätte man einem Glatzen einen Kamm geschenkt. Doch sie fangen sich, die Chaps, und beglücken mich mit dem kostbaren Treuepunkt (ich freue mich auf mein Bier in fünf Jahren). Man kann ihnen kein Vorwurf machen, denn sie haben schon eine Hand an der Tüte, wenn Sie die andere nach dem Geld ausstrecken.

Wie hat einst ein Häuptling so schön ausgedrückt: Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen ist, werden die Briten feststellen, dass man Plastiktüten nicht essen kann....

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